equal-salary - Zertifizierung der Lohngleichheit zwischen Frau und Mann

Ein Interview mit Véronique Goy Veenhuys, welche die Zertifizierung equal-salary initiiert hat. www.equalsalary.org

Was ist equal-salary?

Véronique Goy Veenhuys: equal-salary ist eine Zertifizierung, mit der ein Unternehmen überprüfen und mitteilen kann, ob seine Lohnpolitik geschlechtsneutral ist, Die Massnahme ist praktisch, wissenschaftlich und einfach. Die Lohnevaluation wird vom Observatoire universitaire de l'emploi (OUE) der Universität Genf durchgeführt. Die Expertise wurde in einem Urteil des Bundesgerichts vom Dezember 2003 (Bundesgerichtsurteil) als tauglich und rechtsverbindlich anerkannt. Das Unternehmensaudit wird von der SGS, der weltweit führenden Instanz für Zertifizierung und Qualitätskontrollen, durchgeführt.

Worin unterscheidet sich equal-salary von anderen Systemen?

Es stellt die einzige Zertifizierung dar, die sich ausschliesslich auf die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann konzentriert. Daher ist sie von praktischem Nutzen. Die Zertifizierung equal-salary ist zudem weltweit einmalig. Die Schweiz spielt somit eine Pionierrolle. Durch den Erhalt des Labels equal-salary erbringt das Unternehmen gegenüber seinen Mitarbeitenden den Beweis, dass es eine gerechte Lohnpolitik betreibt. Dies stärkt ihre Motivation und Loyalität. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen bei der Rekrutierung von Frauen über einen Wettbewerbsvorteil.

Welche Unternehmen liessen sich schon equal-salary zertifizieren?

Zu den zertifizierten Unternehmen gehören das World Economic Forum, die Stadt Freiburg, die CORUM-Uhren, die Services industriels du Canton de Genève und die Eglise réformée évangélique des Kantons Neuenburg. Alle zertifizierten Unternemen sind auf www.equalsalary.org Website aufgeführt.

Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um das Verfahren zu lancieren?

Das Unternehmen muss mindestens 50 Mitarbeitende aufweisen, darunter mindestens zehn Frauen. Die Firma muss die Lohndaten digital liefern können und eine klar festgelegte Lohnpolitik betreiben. Während des Audits muss die Direktion beweisen können, dass sie Lohngleichheit umsetzen will, und die Umsetzung dieser Strategie auf der Prozessebene der Human Resources belegen.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, ein System zur Kontrolle der Lohngleichheit zu entwickeln?

Jedes Jahr beweisen die offiziellen Zahlen, dass die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann noch nicht erreicht ist. Gleichzeitig lassen viele Unternehmen verlauten, eine gerechte Lohnpolitik zu betreiben, ohne dies jedoch belegen zu können. Dies brachte mich auf die Idee eines Zertifikats. Ich dachte mir, die Zertifizierung equal-salary stelle für die Unternehmen eine positive Massnahme dar, um diesen Beweis liefern zu können. Gleichzeitig gilt Vertraulichkeit bezüglich der ausbezahlten Löhne.
Für Frau und Mann stellt ein gerechter Lohn die Voraussetzung dafür dar, dass man sich in einem von Respekt und Vertrauen geprägten Umfeld geschätzt weiss und das Gefühl hat, nach seinem Wert bezahlt zu werden.

Wie kann eine Arbeitnehmerin herausfinden, ob in ihrem Unternehmen das Prinzip "gleiche Arbeit, gleicher Lohn" gilt?

Auf individueller Ebene ist das sehr schwierig. Man kann natürlich mit Kolleginnen und Kollegen sprechen und Lohnvergleiche anstellen. Solche Informationen sind aber nur schwerlich zu erhalten. Man weiss auch nicht immer genau, ob man die gleiche Arbeit oder die gleichen Qualifikationen hat wie eine Kollegin oder ein Kollege. Am einfachsten wäre es, offen mit seinem/r Vorgesetzten oder der zuständigen Person der Human Resources zu sprechen. Danach hängt alles von der Unternehmenskultur ab. Eine Angestellte kann ihrem Unternehmen natürlich von equal-salary erzählen. Dies würde das Problem lösen.

Was raten Sie den Frauen?
Frauen sind genauso gut ausgebildet wie Männer. Sie stehen vor einer fantastischen Herausforderung. Die Unternehmen sind zunehmend auf weibliche Kräfte angewiesen. Erstens sind die Betriebe auf der Suche nach Talenten, die immer seltener werden, und zweitens handelt es sich bei einer zunehmenden Anzahl Konsumenten um Frauen. Dies gilt nicht nur für den Ernährungsbereich, sondern auch für Elektronik, Banken, Autos usw. Um zu verstehen, was Konsumentinnen wünschen, fragt man am besten eine Frau. Die heutige Zeit bietet den Frauen Möglichkeiten, die sie früher nicht hatten. Warten Sie also nicht länger, sondern werden Sie aktiv. Informieren Sie sich ausführlich über das Lohnniveau, auf das Sie Anspruch haben. Sprechen Sie mit Freundinnen und vor allem Freunden oder Kollegen und/oder erkundigen Sie sich bei Stellenvermittlungsbüros. Konsultieren Sie Websites wie den Lohnrechner des SGB. Lernen Sie zu verhandeln! Ein zu tiefer Ausgangslohn könnte nach zwei bis drei Jahren einen Unterschied von mehreren zehntausend Franken ausmachen. Warten Sie nach der Anstellung nicht darauf, für Ihre Leistungen belohnt zu werden. Wenn Sie überzeugt sind, Anspruch auf eine Lohnerhöhung zu haben, legen Sie sich Ihre Argumente zurecht. Warten Sie mit klaren Zahlen auf und fordern Sie mehr Lohn.

Last, but not least, Be an equal-salary ambassador! ... werden Sie FAN von EQUAL-SALARY ... und lassen Sie dies alle wissen!



 

Kontakt

Equal Pay Day Schweiz
Franziska Bürki, Koordinatorin
+41 76 323 58 76

 

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